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Prozess am 4. Januar 2005:

Sturmangriff im Morgengrauen
 
Vielleicht wollte ja Bundeswehr-Oberfeldwebel Torsten Z. nach Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan nun mal zur Abwechslung Deutschland nicht am Hindukusch, sondern in der Stadt Brandenburg verteidigen. Vielleicht hat er aber auch eine Abneigung gegen alles, was nicht deutsch ist. Vielleicht wollte er einfach nur seine vermeintliche Macht ausspielen. Egal: Das, was er nach der Anklageschrift am Morgen des 18. Juli 2004 vor der Diskothek Piephahn in Hohenstücken abzog, nennt die Staatsanwaltschaft versuchten Mord. Und u. a. genau dafür müssen sich Torsten Z. und sein Kumpan Andreas R. seit 4. Januar 2005 vor der 1. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts verantworten.

Die beiden hatten sich nach einer unabhängig voneinander durchzechten Nacht in verschiedenen Brandenburger Lokalitäten gegen Mitternacht im Piephahn getroffen. Sie kennen sich von früher. In den letzten Jahren war ihr Kontakt flüchtiger geworden, seit Torsten Z. im Standort Rothenburg seinen Dienst verrichtet und nur noch am Wochenende nach Hause fährt. Die genaueren Ereignisse der folgenden Stunden wird das Gericht unter Vorsitz von Dr. Frank Tiemann noch klären müssen. Fest steht: nachdem der Piephahn seine verbliebenen Gäste gegen 5.00 Uhr vor die Tür gesetzt hatte, pöbelten Torsten Z. und Andreas R. die beiden Kenianer Oscar M. und Jeff I. an. Die schwarzafrikanischen Discobesucher waren erst drei Tage in der Stadt. Sie sprechen und verstehen so gut wie kein Deutsch. Demzufolge verhielten sie sich nicht so, wie es ihre beiden Widersacher erwartet hatten. Andreas R., nach dessen Ansicht es den Ausländern in Deutschland viel zu gut geht, ging zum Angriff über und schlug Oscar M. Ob der schon da zu Boden ging und wieder aufstand oder erst, nachdem auch Torsten Z. auf ihn losging, konnte noch nicht sicher geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 26Jährige Oberfeldwebel nachlegte und Oscar M.mit einer zerbrochenen Glasflasche rechts am Hals schnitt. Die Wunde war ca. sechs Zentimeter lang und drei Zentimeter tief. Gewiss hatte der 30Jährige Glück im Unglück, denn die Halsschlagader, auf die der Angriff vermutlich gerichtet war, hatte Torsten Z. nur um Zentimeter verfehlt. Nach Aussage des Opfers schrieen die Angreifer mehrfach, „Du musst sterben!“

Der 30Jährige Andreas R., der aus einfachen Verhältnissen stammt, sich als Maurer mehr schlecht als recht über Wasser halten konnte und derzeit arbeitslos ist, äußerte sich ziemlich umfassend zur Tatnacht und seinen eigenen Anteil. Torsten Z. dagegen baut auf eine partielle Erinnerungslücke, die ausgerechnet den Zeitraum umfasst, in dem der Stich geführt wurde. Er erinnere sich nur noch daran, dass da vor ihm auf dem Weg eine Glasscherbe gelegen habe, die er dann aufgehoben hat. Gleich darauf habe ihn eines der beiden anwesenden Mädchen festgehalten und ihn aufgefordert, aufzuhören. „Das bist nicht Du,“ soll sie zu ihm gesagt haben.

Die Aussagen der beiden Mädchen werden im weiteren Prozessverlauf von großer Bedeutung sein. Zunächst sind fünf Verhandlungstage anberaumt.

Prozess am 21.12.2004:

Neue Urteile im „Potzlow-Prozess“ 

Sachverständiger bescheinigt einem der Täter „gute Heilungschancen“ 

Mitunter sind Richtersprüche schwer zu verstehen. Nicht etwa wegen ihres juristischen Vokabulars, sondern vielmehr wegen des scheinbaren Unvermögens, grausamen Taten der Angeklagten gerecht zu werden. So etwa am Dienstag bei der Verhandlung der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin, die als Jugendkammer zusammentrat.

Verhandelt wurde der feige und brutale Mord an Marinus Schöberl in der Nacht zum 13. Juli 2002 im märkischen Ort Potzlow. Damals hatten Marcel Sch., dessen älterer Bruder Marco und Sebastian F. ihr Opfer im Verlauf eines Trinkgelages wiederholt gedemütigt, misshandelt und genötigt. Unter anderem sollte er sich als Jude bezeichnen. Später fuhren sie zu einem stillgelegten ehemaligen LPG-Gelände und zwangen ihn dort, in die Steinkante eines Schweinetrogs zu beißen. Marcel Sch. wollte eine brutale Mordszene aus dem US-amerikanischen Film American History X nachstellen, der im Nazimilieu handelt.. Als der verängstigte Junge, der Aufforderung folgend, zum zweiten Mal in den Steintrog biss, sprang Marcel Sch. mit beiden Füßen, an denen er Springerstiefel mit Stahlkappen trug, auf den Kopf. Während sich Sebastian F. schockiert abwandte und zunächst abseits hielt, beschloss Marco Sch., das Opfer, das sichtbar schwerste Kopfzerquetschungen und Schädelbrüche erlitten hatte, endgültig zu beseitigen, um die Entdeckung der Tat zu verhindern. Marcel Sch. warf Marinus Schöberl, den er und sein Bruder - möglicherweise zu Unrecht - noch für lebend hielten, einen großen schweren Betonstein zweimal auf den Kopf. Anschließend vergruben die drei Angeklagten die Leiche in einer Jauchegrube.

Die drei Angeklagten waren für diese scheußliche Tat vom Landgericht Neuruppin bereits am 24.Oktober 2003 verurteilt worden: Marcel Sch. u.a. wegen Mordes zu einer Einheitsjugendstrafe von 15 Jahren, Marco Sch. ebenfalls zu 15 Jahren Gefängnis, u.a. wegen versuchten Mordes und Sebastian F. wegen u.a. Körperverletzung zu einer Einheitsjugendstrafe von 2 Jahren. Letzterer verließ nach dem damaligen Urteilsspruch der 2.Großen Strafkammer den Saal als zunächst freier Mann.

Gegen das Urteil hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die beiden Brüder Sch. Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt. Dieser verwarf die Anträge der Täter, ließ aber den der Staatsanwaltschaft zu. Das Urteil gegen Marcel Sch. bestätigte der BGH. Es ist demzufolge rechtskräftig.

Das Strafmaß gegen Marco Sch. hatte der BGH ebenfalls bestätigt, aber angeordnet, dass das Landgericht neu über eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, über eine Sicherungsverwahrung oder keines der Mittel entscheiden sollte.

Bei Sebastian F. hatte der BGH entschieden, dass dieser nicht nur wegen Körperverletzung, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen sei, weil die Täter ein gemeinsames Ziel verfolgten und die Tötung des Opfers für den heute 19jährigen absehbar war. Deshalb war eine höhere als die ursprüngliche Strafe erwartet worden.

Die Kammer entschied sich im Falle von Marco Sch. für die Unterbringung  in einer Entziehungsanstalt. Maßgeblichen Anteil an dieser Entscheidung hatte das Gutachten des psychologischen Sachverständigen Dr. Alexander Böhle. Der hatte dem 25jährigen Angeklagten bescheinigt, vor allem unter Alkoholeinfluss zu aggressiven Straftaten zu neigen. Die Chancen einer Heilung seiner krankhaften Alkoholsucht bezeichnet er als fifty-fifty. Der Vorsitzende Richter Gerd Wegner bezog sich in der Begründung auf diese, wie er meinte, sehr positive Prognose und betonte, man könne den Angeklagten durch eine Sicherungsverwahrung nicht einfach so lebenslänglich abschieben, ohne versucht zu haben, ihn zu heilen.

Das Urteil gegen Sebastian F. wurde auf eine Einheitsjugendstrafe von 3 Jahren erhöht.

Auch gegen das neuerliche Urteil können sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verurteilten Revision einlegen.

Prozessbeginn am 20.12.2004:

Neonazis als Terroristen angeklagt 

In Potsdam findet seit 20. Dezember 2004 der deutschlandweit erste Prozess wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung statt
 
Irgendwie passen die Gesichter und Staturen der zwölf Angeklagten, die sich seit 20.12. vor dem brandenburgischen Oberlandesgericht wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung verantworten müssen, nicht zum Anklagevorwurf. Von zwei bis drei Ausnahmen abgesehen sind die Jugendlichen schmächtig, Milchbärte noch mit ihren derzeit 17 bis 20 Lebensjahren, keinerlei Hinweise auf irgend einen Bezug zur rechten Szene. Zur Tatzeit zählte der jüngste gerade mal 15 Lenze. Man könnte meinen, sie hätten einen Lausbubenstreich ausgeheckt, wenn man sie so sieht, Schabernack á la Feuerzangenbowle.

Aber nein, die zwölf haben, mit unterschiedlicher Tatbeteiligung allerdings, fast ein Jahr lang Imbissbuden und Spezialitätengaststätten im Kreis Havelland angezündet. So wirft es ihnen jedenfalls die Staatsanwaltschaft vor. In einem Fall in Nauen griff das Feuer von einem Imbiss auf einen Supermarkt und andere Einzelhandelsgeschäfte über. Schaden: mehr als eine halbe Million Euro.

Ihre Angriffsobjekte wählten sie gezielt aus: Sie wurden immer von Ausländern betrieben, Türken oder Vietnamesen beispielsweise. Sie wollten den ihnen verhassten Ausländern die Existenzgrundlage entziehen und sie dadurch zwingen wegzuziehen. „National befreite Zonen“ schaffen, heißt so was im Neo-Nazi-Jargon.

Und damit auch jeder weiß, mit wem er es zu tun hat, und damit auch keiner aus der „Kameradschaft“ abweichen konnte, organisierten sie sich in einem „Freikorps“. So richtig mit Satzung, Führer, Schriftführer und Kassierer. Typisch deutsch eben. 5 Euro sollte jeder im Monat berappen, für Benzin als Brandbeschleuniger beispielsweise.

Deshalb sind sie der Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Üblicherweise ist für die Ermittlungen zu diesem Delikt der Generalbundesanwalt zuständig. Der aber hat es, weil „minderer Bedeutung“, an den brandenburgischen Generalstaatsanwalt weitergegeben. Mindere Bedeutung deshalb, weil die Täter noch so jung sind, weil der Aktionsradius beschränkt war und keine Personenschäden entstanden sind und auch nicht beabsichtigt gewesen sein sollen. Bundesweit ist das die erste Anklage zu diesem Delikt nach der Neufassung des entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuches durch das Terrorismusbekämpfungsgesetz vom 22. Dezember 2003.

Der Anführer des Freikorps, Christopher H. (20), wurde zum Prozessbeginn aus der Untersuchungshaft vorgeführt, die anderen „Kameraden“ befinden sich auf freiem Fuß.

Nachdem die Generalstaatsanwaltschaft die Klageschrift verlesen hatte, schloss die Vorsitzende Richterin des Staatsschutzsenats, Gisela Thaeren Daig, die Öffentlichkeit für die Dauer der Beweisaufnahme vom Prozess aus, weil die Angeklagten noch Jugendliche bzw. Heranwachsende sind. Zu den Angeklagten passt dieser Beschluss, zum Anklagevorwurf aber wieder nicht. Verhandlungstermine sind bis in den Februar hinein geplant.


Prozessende am 16.12.2004:

Unter Feuer


Bei einer Demonstration gegen Nazi-Aufmarsch am 1. Mai griff Christian S. zu untauglichen Mitteln

Angesichts der Videos vom 1. Mai diesen Jahres, die während des Prozesses gegen Christian S. am Donnerstag vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten gezeigt wurden, konnte man die damalige Ohnmacht des Angeklagten verstehen. Zu sehen war ein Großaufgebot der Polizei, das einen Aufmarsch von etwa 2600 Neonazis durch Berlin ohne Wenn und Aber schützte.
Man konnte nachvollziehen, daß der Angeklagte unter allen Umständen verhindern wollte, daß die braunen Truppen nun auch im Friedrichshain einziehen, einem Berliner Stadtbezirk, der während der Nazidiktatur schon einmal Horst-Wessel-Bezirk hieß, wie die Verteidiger von Christian S. in ihren Plädoyers betonten. In Friedrichshain konnten Neofaschisten und ihre »Kameradschaften« bislang nicht so Fuß fassen wie etwa in den Stadtteilen Lichtenberg oder Marzahn.
Christian S., dessen Freundin schon einmal von Rechten niedergestochen wurde und der sich offenbar engagiert für Hilf- und Wehrlose einsetzt, wollte am 1. Mai den von der Justiz genehmigten Neonaziaufmarsch von der Lichtenberger Brücke ins Stadtzentrum wenn nicht ver-, so zumindest behindern. In seiner Ohnmacht beteiligte er sich vermummt daran, Barrikaden zu errichten, zunächst aus brennenden Müllcontainern, dann aus einem schnell umgestürzten Auto, das er mit anderen Gegendemonstranten auf die Fahrbahn schob. Schließlich entzündete er in dem Auto mit Papier und Kleidungsstücken ein Feuer, das aber rasch von Polizeiwasserwerfern gelöscht wurde. Am Auto entstand ein Schaden von mehreren tausend Euro. Dieser Schaden konnte indes nicht in vollem Maße dem 35jährigen Angeklagten zugerechnet werden, da das Auto durch einen Panzerwagen der Polizei von der Straße geschoben und später offenbar noch einmal angezündet und geplündert worden war.das einen Aufmarsch von etwa 2600 Neonazis durch Berlin ohne Wenn und Aber schützte.

Lesen Sie bitte weiter unter:

http://www.jungewelt.de/2004/12-18/015.php



Prozessende am 15.12.2004:

Gewöhnlicher Rassismus?

Nein, die beiden Angeklagten, die seit dem 22. Oktober vor den Schranken der 40. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts standen, gehören nicht der rechten Szene an. Dennoch mussten sie sich wegen einer fremdenfeindlichen Tat verantworten. Sie haben am 22. April 2004 am S-Bahnhof Schönhauser Allee einen aus Guinea stammenden Mann wegen seiner dunklen Hautfarbe angegriffen und mit Tritten erheblich verletzt, als der sein am Bahnhof abgestelltes Fahrrad holen wollte.

Die Berliner Bauhelfer Martin O. (21) und Heinrich P. (23) haben im alkoholisierten Zustand ihr Opfer zu Boden geworfen und mit Faustschlägen sowie Tritten gegen den Kopf traktiert, wobei sie Bauarbeiterschuhe mit eingearbeiteten Stahlkappen trugen. Gleichzeitig haben sie sich mit ausländerfeindlichen Äußerungen gegenseitig dazu aufgefordert, „den Nigger totzuschlagen“. Erst als zwei Zeugen einen Wachschützer alarmierten, ließen die Täter von ihrem Opfer ab, das erhebliche Verletzungen am Kopf, darunter eine Nasenbeinfraktur erlitt.

Das Gericht unter Vorsitz von Gabriele Strobel bemühte sich sehr, die Ursachen für die Tat aufzudecken, zumal die beiden Angeklagten bisher zwar wegen Eigentums- bzw. Drogendelikten, nicht aber wegen Gewalt gegen Menschen vorbestraft waren.

Beide stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Sie haben keinen  Beruf erlernt und mussten deshalb ihre Haut als Bauhilfsarbeiter zu Markte tragen. Beide sind jung Väter geworden, und leben mit Freundin und Kind zusammen. Heinrich P. ist zwar Deutscher, kam aber erst als Kind mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland. Deutsch spricht er nur mit starkem Akzent.

Diese „unbefriedigende Lebenssituation“, so Gabriele Strobel, habe dazu geführt, dass sich die beiden unter starkem Alkoholeinfluss von einem vermeintlich unter ihnen stehenden Mitbürger abheben wollten. In diesem Augenblick sei ein latenter Stammtischrassismus ausgebrochen, der sich in der „brutalen und feigen Tat“ entlud. Heinrich O. zeigte den hinzueilenden Zeugen noch seinen Personalausweis und betonte, dass er Deutscher sei, als ob dies ihm das Privileg zum Prügeln gebe. Hinter den Ansichten der jungen Täter verberge sich kein politisches Konzept, aber ein Alltagsrassismus, der ebenso gefährlich sei.

Der wegen Sachbeschädigung und Erschleichen von Leistungen vorbestrafte Martin O. hatte die Tatvorwürfe im wesentlichen eingeräumt, allerdings behauptet, dass der Angriff von Mamadou D. ausgegangen sein soll. Heinrich P., wegen Diebstahls und Drogendelikten ebenfalls vorbestraft, war erst an einem der letzten Verhandlungstag bereit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, versuchte aber ebenfalls, seinen Tatanteil herunter zu spielen.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer für Martin O. vier, für Heinrich P. fünf Jahre Haft gefordert.

Das Gericht verurteilte Martin O. zu drei Jahren und drei Monaten, Heinrich P. auch in Anbetracht der Tatsache, dass dieser zum Tatzeitpunkt unter Bewährung stand, zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. 


 junge Welt vom 07.04.2004:

Die Mühlen der Justiz:

Gewalt als Lebenszweck 

Fünf Berliner Skinheads schlugen grundlos einen Jugendlichen zusammen

Sie waren ihrem Gegner wirklich tapfer gegenübergetreten: der 18jährige Dennis B., der gleichaltrige Christoph J., der 19-jährige Michael R., der 24-jährige Daniel Sch. und der 22-jährige Marcel B. Am 30. September vorigen Jahres lösten sie auf einem Kinderspielplatz in Berlin-Hohenschönhausen »Zeckenalarm« aus. So heißt unter Skinheads, wenn sie sich von Punks gestört oder gar bedroht fühlen. Und die Gefahr war gewaltig: Hatte einer der verhaßten Gegner doch Clan-Mitglied Dennis angeblich
verspottet, als der Zigaretten holen ging. Und so holten sie zum Schlag aus gegen den 14jährigen (!) Marcus P. Das darf man wörtlich nehmen: Nach einem kurzen Wortgeplänkel versetzten sie dem Schüler mehrere heftige Faustschläge (Michael R. ist gut zwei Meter groß und dürfte um die 110 Kilo auf die Waage bringen). R. soll alsdann dem Jungen eine leere Bierflasche ins Gesicht gestoßen haben, der jüngste im Bunde, Christoph J. schlug ihm mit einer holzstachelbewehrten Keule zweimal in den Rücken.
Dann warfen sie ihr Opfer zu Boden und traten es noch mehrfach mit ihren stahlkappenbesetzten Schuhen. Schließlich rissen sie ihm Aufnäher und Buttons von der Kleidung, bevor sie sich in die Wohnungvon Marcel B. zurückzogen, um bei Schnaps und Bier ihre Heldentat zu feiern...

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http://www.jungewelt.de/2004/04-07/019.php



junge Welt vom 29.04.2004:

Die Mühlen der Justiz:

Geschichtslektion von der Anklagebank

Ex-Politbüromitglied Herbert Häber steht erneut wegen »Beihilfe zum Totschlag« vor Gericht

Die Erklärung von Professor Herbert Häber zog am Dienstag offenkundig Gericht wie Besucher in ihren Bann. Häber saß auf der Anklagebank, Ort des Geschehens war das Berliner Landgericht. Das ehemalige Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED ist der »Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen« in einem Fall sowie durch aktives Tun in drei Fällen beschuldigt. Bei den Toten handelt es sich um DDRBürger, die bei Fluchtversuchen an der Grenze zu Westberlin erschossen worden sind. Häber war vom 25. Mai 1984 bis zum 22. November 1985 Mitglied des Politbüros und hatte im Juli 1985 einem Beschluß zur weiteren Ausgestaltung des DDR-Grenzregimes zugestimmt. Das soll angeblich sogar nach DDR-Strafrecht Beihilfe zum Totschlag gewesen sein, weshalb beispielsweise Egon Krenz und andere ehemalige Politbüromitglieder zu teilweise langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Häber dagegen war im zweiten Politbüroprozeß vom Berliner Landgericht zusammen mit Siegfried Lorenz und Hans-Joachim Böhme im Jahr 2000 überraschend vom Vorwurf der Beihilfe zum Totschlag freigesprochen worden. Doch die Revision der Staatsanwaltschaft beim Bundesgerichtshof (BGH) hatte Erfolg, das Urteil wurde aufgehoben und zur Neuverhandlung an das Berliner Landgericht verwiesen. Der BGH folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft, die der Auffassung ist, Häber, Lorenz und Böhme hätten aufgrund ihrer exponierten Stellung auf eine Änderung des Grenzregimes hinwirken können...

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junge Welt vom 25.03.2004

Die Mühlen der Justiz:

Omertà in der Streusandbüchse

Rechtsradikale im märkischen Neuruppin wegen schwerer Angriffe auf Polizisten vor Gericht


Es ist ein mühseliges Verfahren, das sich seit dem 8. März vor dem Neuruppiner Landgericht dahinschleppt. Richter, Schöffen und Verteidiger leisten Schwerstarbeit, um herauszufinden, in welchem Maße sich neun junge Männer am 13. Oktober 2001 im Wittstocker Club »Havanna« strafbar gemacht haben. Die Delinquenten weisen sich mit ihrem Äußeren demonstrativ als Anhänger der rechten Szene aus – kaum einer, der nicht im Verlaufe der vergangenen drei Verhandlungstage ein Sweatshirt mit Runenaufdruck getragen hätte; glatzköpfig sind die meisten ohnehin Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern im Alter zwischen 18 und 28 Jahren gemeinschaftlichen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in besonders schwerem Fall, Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall und gemeinschaftlich versuchte schwere Körperverletzung vor, dem Angeklagten Christopher H. darüber hinaus die öffentliche Verwendung des Kennzeichens einer Organisation der deutschen Faschisten. Der 19jährige soll bei einem als Geburtstagsfeier angemeldeten Treffen der rechten Szene den Hitlergruß gezeigt haben. Zudem sollen die Angeklagten Musik volksverhetzenden Charakters so laut abgespielt haben, daß sie auf der Straße zu hören war. Als die Polizei die Veranstaltung auflösen wollte, so die Anklage, verbarrikadierten sie sich mit weiteren etwa 20 Personen im Gebäude und warfen volle Bierflaschen, Stühle und einen Feuerlöscher auf die Beamten, die nur dank ihrer Schutzuniformen unverletzt blieben.

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http://www.jungewelt.de/2004/03-25/015.php



junge Welt vom 13.04.2004

Die Mühlen der Justiz:

Der Sieg des Schweigens 

Freisprüche und geringfügige Strafen für rechtsextreme Gewalttäter im Neuruppiner »Havanna«-Prozeß

Das Schweigen hat gesiegt: Im Prozeß gegen neun rechtsextreme jugendliche Gewalttäter zwischen 18 und 28 Jahren verhängte die 2. Große Strafkammer des Neuruppiner Landgerichts am 8. April nur gegen die Angeklagten Denis F. (28) und Jeff Sch. (18) wegen Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall und versuchter gefährlicher Körperverletzung Strafen von acht bzw. 21 Monaten Jugendhaft auf Bewährung und sprach gegen Andy R. (20) eine Verwarnung mit einer Geldauflage von 800 Euro aus. Christopher H. (19) verurteilte das Gericht wegen Verwendung eines Zeichens einer verfassungswidrigen Organisation zu zehn Monaten Jugendhaft auf Bewährung. Die anderen Beschuldigten wurden freigesprochen.
Damit ist die Strategie der rechten Kameradschaften aufgegangen. Zeugen, die als Tatbeteiligte bereits verurteilt sind oder als Gäste die Veranstaltung besuchten, klagten unvermittelt über erhebliche »Gedächtnislücken«. So konnte sich die Strafkammer im wesentlichen nur auf die Aussagen der Zeugen Stefanie K. und Christian M. stützen. Deren Kenntnisse über die Tatbeteiligung der Angeklagten reichten aber nur für die Verurteilung von vier der Angeklagten aus...

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